Häusliche Pflege bei Alzheimer-Demenz: Oma macht uns fertig!

Dieses Thema im Forum "Medizin Forum" wurde erstellt von Gast, 28.08.2011, 19:41.

  1. Gast Nicht registriert

    Hallo!

    Wir (mein Mann, unsere 3 Kinder und ich) brauchen dringend Tipps und Ratschläge zum dauerhaften
    Umgang mit Alzheimer-kranken Familienmitgliedern.

    Seit gut 4 Jahren wohnt die Oma (die Mutter meines Mannes) bei uns im Haus (sie hat ein eigenes,
    pflegegerecht eingerichtetes Zimmer - alle anderen Räumlichkeiten nutzt sie mit uns gemeinsam),
    weil uns auffiel, dass sie allein nicht mehr im Alltag zurecht kam.
    Die ersten knapp 3 Jahre war das Zusammenleben recht unproblematisch: wir übernahmen eben die
    Alltagstätigkeiten für sie und halfen ihr beim Ankleiden, Waschen, etc. - sie verhielt sich relativ ruhig,
    las hin und wieder und verbrachte viel Zeit mit der Familie, vor allem mit unseren Kindern.
    Natürlich wurde das Vergessen auch in dieser Zeit immer schlimmer und sie erkannte manchmal Personen
    nicht mehr - ansonsten war das Zusammenleben aber sehr harmonisch.

    Seit gut einem Jahr jedoch hat sich ihr Zustand rapide verschlechtert; wir waren mit ihr bei mehreren
    Ärzten und sie erhält auch Medikamente gegen das Vergessen - doch mehr könne man nicht tun, so
    die Ärzte :(

    Nun ist sie schon seit einiger Zeit sehr aggressiv und unruhig - auch nachts! Sie erkennt unsere Kinder
    nicht mehr als ihre Enkel, was vor allem unsere Jüngste, die erst 5 Jahre alt ist, sehr traurig macht, weil
    sie das noch nicht verstehen kann. Hin und wieder weiß sie sogar noch nicht mal mehr, wer ich bin und
    vor einem Monat hat sie zum ersten Mal ihren eigenen Sohn, meinen Mann nicht mehr erkannt.
    Da sie auch örtlich nicht orientiert ist und sich daher nicht zuhause fühlt, hat sie Angst, ist rastlos und von
    daher auch wieder aggressiv...ständig möchte sie hinaus auf die Straße und fliehen, weil sie denkt, wir
    hielten sie gefangen, was sie auch Passanten lautstark erzählt....

    Wir lieben unsere Oma wirklich sehr und tun - obwohl wir beide vollzeit arbeiten - wirklich alles für sie;
    auch die Kinder helfen mit und ein ambulanter Pflegedienst vormittags ist ebenfalls bestellt, sodass sie fast
    24 Stunden betreut ist.
    Doch schön langsam treibt sie uns wirklich in den Wahnsinn...wir verzichten auf Urlaub, sie ist ein Vollzeitjob
    neben unserem eigentlichen Vollzeitjob, die Kinder können keine Freunde einladen wegen der Oma, wir müssen
    Verleumdungen über uns ergehen lassen, können nachts nicht schlafen wegen ihrem Lärm....und, am schlimmsten:
    müssen mit ansehen, wie unsere geliebte Oma - trotz körperlich guter Verfassung - geistig immer weiter verfällt
    und kaum mehr was von dem einst fürsorglichen und liebevollen Menschen übrig ist, der sie einst war.

    Wir wissen wirklich nicht mehr weiter?!?
    In ein Pflegeheim wollen wir sie auf keinen Fall geben und eine professionelle Pflegebetreuung können wir uns
    finanziell nicht leisten :(

    Kennt jemand diese Situation? Habt ihr Tipps für uns?
    Hat jemand ähnliche Probleme....
    Bitte schreibt uns, damit wir zumindest wissen, dass wir nicht alleine sind!

    Viele Grüße!
     
  2.  

    AdMan Erfahrener Benutzer

  3. ad.integrum Erfahrener Benutzer

    AW: Wir wissen nicht mehr weiter: Oma macht uns fertig!

    Guten Abend!

    Ja, so eine ähnliche Situation kenne ich aus eigener Erfahrung...
    Am schlimmsten ist der Zwiespalt zwischen dem Willen und der Freude, die es macht, für die Oma dazusein, sie
    daheim zu pflegen, ihr die Liebe und Fürsorge zurückgeben zu können, die sie früher für ihre Familie aufgebracht hat
    in dem Wissen, dass sie eigentlich ein lieber, netter, und grundguter Mensch ist - und andererseits der Wut, der
    Trauer und der Verzweiflung über die Situation im Gesamten, den geistigen Verfall eines so geliebten Menschen
    und der Hilflosigkeit, der man ausgesetzt ist.

    Jahrelang haben wir unsere Oma - genau wie ihr - in unserem Zuhause gepflegt....mit ihr gelacht, geweint und
    sind den Weg mit ihr gemeinsam gegangen...
    Rückblickend kann ich nur sagen - trotz all der Wut auf die Demenz, dem Stress, den sie uns bereitet hat, der
    Hilflosigkeit ob ihrer unverständlichen Verhaltensweisen und ihrer Aggressivität - dass sich jeder Tag mit ihr, jede
    Entbehrung und alles, was wir für sie getan haben gelohnt haben!

    Denn die eigene Familie hat nur das Beste verdient - auch wenn derjenige krankheitsbedingt das Ganze nicht mehr
    mitbekommt und sich vielleicht sogar bösartig verhält....

    Als Tipp kann ich nur geben: sprecht euch mit anderen Verwandten ab oder informiert euch über Kurzzeitpflege...
    nehmt euch auf diese Art und Weise alle halbe Jahre zwei Wochen frei und fahrt in den Urlaub - das gibt Kraft,
    bringt Abwechslung und gibt einem das Gefühl, sich mal wieder wirklich was zu gönnen!
    Uns hats geholfen ;)

    Nun wünsche ich euch viel Kraft, dass ihr mit der Situation klarkommt und dass eure Oma nicht in ein
    Pflegeheim muss!
    Auch eurer Oma alles Gute!
    Viele Grüße!
     
  4. Gast Nicht registriert

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  5. Lieblingsleser Neuer Benutzer

    Hi,
    Ich kenne auch so ein ähnliches Problem.
    Habt ihr es schon einmal mit einem Pflegeheim versucht?
    Ich meine, für eure Kinder und euch wird es schwer werden, wenn es immer schlimmer wird.
    Ich würde darüber ernsthaft nachdenken.
    LG
     
  6. ad.integrum Erfahrener Benutzer

    Hallo,

    also ich denke (und ich weiß - siehe oben - wie hart es sein kann, wenn man eine Person mit dem Vollbild von Alzheimer
    zu Hause zu pflegen hat!!!), dass ein Pflegeheim als Langzeitlösung wohl keine Option für diese Familie sein wird!
    Als Überbrückung für 2 Wochen Jahresurlaub (im Sinne von Kurzzeitpflege) vielleicht ja....da ist das Pflegeheim ein guter
    Tipp....
    aber als gänzliche Lösung sehe ich persönlich das hier nicht; denn die Familie beschreibt ja eigentlich schon, dass sie sich
    gern um die Oma kümmern - es ist eben nur nicht einfach....
    Deswegen sollte man ihnen aber jetzt kein "schlechtes Gewissen" einreden - wer sich um die Angehörigen auch in schweren
    Zeiten kümmert, der hat höchsten Respekt verdient und sollte unterstützt werden, durchzuhalten...
    natürlich ist auch niemandem ein Vorwurf zu machen, der es nicht mehr schafft und die Angehörigen ins Pflegeheim gibt ;)

    Viele Grüße!
     
  7. Christine Nicht registriert

    Ohje das tut mir sehr leid! Hatte einen ähnlichen Fall zuhause...
     
  8. Gast Nicht registriert

    Hallo,
    zunächst erst einmal möchte ich mein Beileid aussprechen. Das klingt alles echt schrecklich und da ich ebenfalls eine sehr enge Beziehung zu meinen Großeltern pflege, sie oft besuche und ihn oft helfe, kann ich mir vorstellen wie schlimm das sein muss. Ich will gar nicht darüber nachdenken würde beide derartiges passieren... Ich finde es toll wie ihr kämpft, euch für sie einsetzt und auch einfach nicht aufgibt. Das werdet ihr bestimmt irgendwann zurückbekommen - davon bin ich überzeugt! Davor habe ich wirklich sehr sehr respekt. So wie ihr es darstellt ist ein Pflegeheim auch nicht die richtige Option. Zudem schreibt ihr:

    "Wir lieben unsere Oma wirklich sehr und tun - obwohl wir beide vollzeit arbeiten - wirklich alles für sie;
    auch die Kinder helfen mit und ein ambulanter Pflegedienst vormittags ist ebenfalls bestellt, sodass sie fast
    24 Stunden betreut ist (...) "

    Habt ihr denn auch schon mal darüber nachgedacht, eine Betreuung rund um die Uhr - wie es EU-Netz anbietet, in Anspruch zu nehmen? Ich meine dann wäre Sie Zuhause und kann ihr häusliches Umfeld bewahren, ihr könntet jeder Zeit hin - habt aber nicht den Zwang, dass ihr jetzt um Punkt 13 Uhr zum Beispiel auftauchen müsstet und ihr könnt ein bisschen durchatmen. Wäre das vllt eine Lösung?
    Ich würde einfach mal mit denen sprechen und dann kann man da bestimmt eine geeignete Vereinbarung treffen...
    Vielleicht konnte ich euch damit etwas weiterhelfen. Wünsche ich viel Kraft und weiterhin alles Gute!!!
     
  9. moeao123 Neuer Benutzer

    Das tut mir sehr leid :( Wohnt sie denn bislang immer noch bei euch zuhause?
    Wir hatten unsere Oma (mit mittelschwerer Demenz) nach Befund auch mit zu uns nach Hause genommen. Allerdings hat sie sich überhaupt nicht wohlgefühlt und litt unter pausenlosem Heimweh.. Sie hat kaum noch gegessen, und wir wussten wirklich nicht weiter, da wir uns selbstverständlich auch nicht 24h am Tag um sie kümmern konnten. Weggeben in ein fremdes Heim kam für uns auch nicht in Frage - war damals eine ziemlich herzzereißendende und schwierige Situation für uns alle gewesen. Letztenendes haben wir verschiedene Pflegekräfte und Seniorenbetreuungen miteinander verglichen und unter anderem Kontakt mit einer netten Dame von der Pflegevermittlung Vivo aufgenommen. Das angebotene Programm von der hauswirtschaftlichen Versorgung, individueller Betreuung bis hin zu diversen Hilfestellungen bei der Grundpflege hat uns sehr gut gefallen. Nach wie vor sind wir mit der Entscheidung eine Pflegevermittlung zu beauftragen immer noch sehr glücklich. Die gemeinsamen Gespräche und Spaziergänge, sowie Hilfe beim Kochen in gewohnter Heimat haben ihr besonders gut getan. Auch wir konnten uns endlich wieder etwas vom ganzen Stress lösen, entspannen und zurücklehnen mit einem guten gewissen das richtige getan zu haben. Viele Grüße und alles Gute!
     
  10. HollywoodHoltz22 Neuer Benutzer

    Ja eine Pflegekraft oder ein Betreuer der hin und wieder Vorbeischaut kann leider auch nur eine gewisse Zeit lang helfen...
    Das Problem ist, dass das Gehirn sehr anpassungsfähig ist und die Auswirkungen von Demenz lange Zeit asugleichen kann. Das ist natürlich erst einmal positiv aber es heißt auch, dass wenn die ersten Symptome auftreten, das Gehirn schon sehr weit abgebaut hat. Oft ist dann schon ein großer Teil der Hirnmasse verschwunden. Das heißt auch, dass die Demenz sehr schnell vorranschreiten kann und nur noch wenig verlangsamt werden kann.
    Meine Oma hat mit der Demenz auch nich eine paranoide Schizophrenie bekommen. Das heißt sie hört Stimmen, fühlt sich verfolgt und glaubt, dass wir mehr oder weniger alle unter einer Decke stecken um sie zu hintergehen. Das macht alles natürlich noch viel schwieriger und sie verweigert dementsprechend natürlich auch alle Medikamente...
    Leider kann man sie auch nicht gegen ihren Willen in eine Klinik einwesen lassen. und weil sie ihren Haushalt noch schafft will meine Mutter sie natürlich auch nicht in ein Heim zwingen. Sie macht aber natürlich wirres Zeug. Schließt sich ständig aus, versteckt ihre Sachen und findet sie dann nicht mehr (alles Demenzbedingt) und ist regelmäßig bei der Polizei. Aber auch die Behörden wollen da nichts machen. Alles total verzwickt. Und je weiter die Demenz schreitet umso schlimmer wird es natürlich damit. Ich weiß also genau wie ihr euch fühlt.
    Leider werden wir und ihr irgendwann wohl nicht mehr um ein Heim herum kommen weil es wohl langfristig immer schlimmer wird...
    Ich wünsche euch echt alles Gute!
     
  11. ManuNeuer10 Neuer Benutzer

    Das tut mir ebenfalls wirklich sehr leid :( Ich bin trottzdem der Meinung, dass eine Pfelgekraft euch viel Stress und Last wegnehmen kann - und das ist positiv aufzufassen! Dafür sind solche Menschen dar. Man hat eben , wenn man berufstätig ist nicht 24/7 Zeit, um sich um seine Liebsten zu kümmern - zudem ist das hier eine Ausnahmesituation und ein echt trauriges Schicksal. Ich glaube viele wissen gar nicht, wie viel Zeit sowas in Anspruch nimmt. Schreiben kann man schnell, dass das nciht geht...Ein Heim kommt auch nicht in Frage wie ich das raus höre - da würde ich mich tatsächlich einfach mal umhören, ob es da jmd. geeigneten für euch gibt, wie vllt. mcCARE24 . Setzt euch doch nochmal zusammen und besprecht das nochmal durch.. da muss unbedingt schnellstens eine Lösung her. Da gibt es nämlich auch wirklich günstige Alternativen und vllt übernimmt auch die KV etwas oder so...
    Wünsche euch nur das beste und hoffe, dass sich alles zu eurer vollsten Zufriedenheit wendet. Schönes Wochenende :)
     
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