Patient im Koma

Diskutiere Patient im Koma im Bereich Medizin Forum: Guten Tag, da wir mittlerweile einiges versucht haben und weitere Hilfe benötigen, vielleicht kann mir ja hier jemand weiterhelfen. Es geht...
G

Gast

Guten Tag,

da wir mittlerweile einiges versucht haben und weitere Hilfe benötigen, vielleicht kann mir ja hier jemand weiterhelfen.

Es geht um einen nahen Verwandten, der seit fast 3 Wochen im Koma liegt. Nachdem von den Ärzten meist nur negatives zu hören war und hin und wieder, ein staunen, weil das Gehirn doch hier und da durchblutet ist oder kleinste Bewegungen vom Personal gesehen wurden, ist trotz allem mittlerweile ein Hirntod bescheinigt worden (2 mal, allerdings vom gleichen Arzt). Natürlich sind wir jetzt vor Gericht um eine einstweilige Verfügung zu erwirken gegen eine Abschaltung. Der Patient atmet sogar gelegentlich noch, also wie soll er Hirntod sein? Er reagiert auf Worte mit einem Ansteigen des Blutdrucks unterschiedlich stark auf verschiedene Personen und abhängig vom Gesprächsthema.

Das Krankenhauspersonal weigert sich, eine Aussage zu machen, es wird bestritten, dass der Patient sich bewegt hat oder geatmet hat, obwohl das Personal dies DEFINITIV gesehen hat. Über die Bewegungen sind wir selbst DURCH das Personal aufgeklärt worden. Atmung hat öfter dann stattgefunden, wenn Verwandte da waren. Ein mal waren ganz sicher auch Pfleger dabei, die uns gesagt haben, dass es genau das ist, ATMUNG.

Nun wird die Medikation verweigert, der Blutdruck sinkt immer weiter ab und keiner hilft uns weiter. Welche Möglichkeiten gibt es? Medikamente selbst bezahlen? Den Hausarzt fragen, ob er die Medikamente geben kann die nötig sind?

Vielen dank für eine schnelle Antwort. Falls jemand eine dazu geben kann. :-(
 
G

Gast

Gesetzlicher Vormund ist seit gestern seine Frau, die (unterstützt von der Tochter) um ihn kämpft. Eine Verfügung hatte er nicht. Aber auch die wäre ausgehebelt, wenn die Ärzte eine Hirntodbescheinigung ausstellen oder?
 
A

ad.integrum

Guten Abend!

Es tut mir leid, dass Sie und Ihre Angehörigen sich in einer solch schwierigen Situation befinden.
Jedoch ist es so, dass ein Patient, der hirntod ist, sich definitionsgemäß NICHT mehr "nur" im Koma befindet (sondern tot ist!) und damit natürlich das Abstellen der
lebenserhaltenden Maßnahmen die einzig richtige Schlussfolgerung ist. (Fraglich ist natürlich, ob der Patient tatsächlich noch eine Spontan-
atmung - wie wurde die denn festgestellt, wenn er ja beatmet ist? - aufweist oder gezielt auf Personen reagiert....dazu kann ich mir
hier über Internet natürlich keine Meinung bilden.)

ABER: laut deutschem Gesetz gilt Folgendes --> Die klinischen Kriterien zum Nachweis des unumkehrbaren Ausfalls der Hirnfunktion müssen in der Bundesrepublik Deutschland zu verschiedenen Zeitpunkten von verschiedenen Ärzten, die nach den Kriterien der Bundesärztekammer über „eine mehrjährige Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen“ verfügen müssen, bestätigt werden, um den Hirntod zweifelsfrei festzustellen.
Das bedeutet, dass die Feststellung des Hirntods - sollte sie, wie oben geschrieben, nur durch EINEN Arzt erfolgt sein - noch nicht rechtskräftig ist und somit ein Abstellen der lebenserhaltenden Maßnahmen ohne
Zustimmung der Betreuering nicht zulässig ist!!!

Kriterien zur Feststellung des Hirntods sind laut Bundesärztekammer wie folgt:
Qualifikationsanforderungen an die zwei Untersucher
Die beiden den Hirntod feststellenden und dokumentierenden Ärzte müssen gemäß den Anforderungen der "Richtlinien zum Inhalt der Weiterbildung" über eine mehrjährige Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen verfügen.
Nach dem endgültigen, nicht behebbaren Stillstand von Herz und Kreislauf kann der Hirntod von jedem approbierten Arzt durch äußere sichere Todeszeichen (z. B. Totenflecke, Totenstarre) indirekt nachgewiesen werden.
 
G

Gast

Die Atmung ist laut Pflegepersonal erkennbar daran, dass auf den Display des Beatmungsgerätes die Linien nicht mehr gelb/grün angezeigt werden sondern rot. Das war immer wieder der Fall seit dem er eingeliefert wurde. Angeblich nicht, wenn wir nicht da waren (zumindest fiel es nicht auf). Gestern waren zwei Schwestern bei uns und haben sich mit uns unterhalten, als er wieder angefangen hat zu atmen, nur 3 oder 4 (komplette) Atemzüge, aber acuh die Schwestern haben uns in diesem Moment bestätigt, dass es sich dabei tatsächlich um eigene Aktivität gehandelt hat und nicht um Fehler die durch Bewegen des Patienten entstehen könnten,tatsächlich hat ihn zu dieser Zeit niemand berührt. Nur leider fehlt uns die Aussage der Schwestern gegenüber den Ärzten, dass dies wirklich der Fall war.

Zumindest konnte die Tochter den Stationsarzt dazu bringen, ihn nicht einfach liegen zu lassen, bis das abschalten nicht mehr notwendig ist.

Wenn es sich um echte Atmung handelt, kann er nicht wirklich Hirntod sein oder sehe ich das falsch?

Mir ist bewusst, dass man Menschen, die eigentlich bereits tot sind, nicht mehr an Maschinen halten soll, das möchte auch keiner von uns, aber uns drängt sich einfach der Verdaacht auf, dass er nicht wirklich tot ist, sondern eine Fehldiagnose gestellt wurde.
 
A

ad.integrum

hm... also wie das nun genau mit den grünen oder roten Linien ist kann ich natürlich von hier aus wieder nicht beurteilen...
aber vielleicht hilft es ja weiter, wenn ich zum Thema Spontanatmung die Richtlinien der Hirntodfeststellung der Bundesärztekammer in Bezug auf das
Thema Apnoe einfüge:

Prüfung des Atemstillstandes
Der Apnoe-Test ist für die Feststellung des Hirntodes obligatorisch. Er kann wegen der physiologischen Wirkungen der Hyperkapnie erst als letzte klinische Untersuchung des Hirnfunktionsausfalls durchgeführt werden. Ein zentraler Atemstillstand liegt vor, wenn bei bisher gesunden Menschen bei einem pa CO2 ³ 60 mmHg keine Eigenatmung einsetzt.
Die Hyperkapnie von mindestens 60 mmHg kann je nach einer O2-Gaswechselstörung entweder durch Diskonnektion vom Respirator oder durch Hypoventilation herbeigeführt werden. Hinreichende Oxygenation ist durch intratracheale O2-Insufflation oder Beatmung mit reinem O2 zu gewährleisten.

Ich hoffe, diese Info kann zur Klärung der immer wieder einsetzenden "Spontanatmung" beitragen....

Ansonsten rate ich dazu - wie oben schon geschrieben, bzw. aus den Richtlinien der BÄK belegt - die Hirntoddiagnostik (wie ja auch gesetzlich vorgeschrieben) durch einen zweiten
Arzt unabhängig wiederholen zu lassen und so den Hirntod zu bestätigen oder eben ausschließen zu lassen!!!
Bevor sich den Patienten kein zweiter Arzt im Hinblick auf zweifelsfreie Feststellung des Hirntods angesehen hat, können die lebenserhaltenden Maßnahmen ja sowieso nicht einfach
gegen den Willen der Betreuerin abgeschaltet werden!

Alles Gute und viel Kraft!
 
G

Gast

Vielen Dank!

Eine Frage bleibt dann noch... Der zweite Arzt muss jemand aus dem Klinikum sein? Oder können wir einen Arzt auswählen, der sich mit solchen Patienten sicherlich mehr beschäftigt? Liegt das im ermessen des Oberarztes?
 
A

ad.integrum

hm, also wie genau da der Rechtsanspruch - vor allem in Bezug auf die Kostenübernahme der Untersuchung - ist, das kann ich leider nicht sagen....
da man aber generell ja einen Anspruch auf freie Arztwahl, ja sogar auf eine Zweitmeinung hat, so bin ich der festen Überzeugung, dass es kein Problem
darstellen sollte einen oder sogar zwei Ärzte - die natürlich die Voraussetzungen der BÄK, wie oben geschrieben erfüllen müssen - von extern hinzuzuziehen
und diesen die Feststellung bzw. den Ausschluss des Hirntods des Patienten zu überlassen.

Der Oberarzt hat hiermit eigentlich gar nichts zu tun, außer dass er den Angehörigen beratend zur Seite stehen kann....
Nachdem ja gesetzlich festgelegt ist, dass zwei Ärzte die Hirntodfeststellung unabhängig voneinander vornehmen müssen, so kann das Ganze gar nicht
Ermessenssache des Oberarztes sein - keine Sorge!
 
G

Gast

Guten Abend!

Noch einmal vielen Dank für die Hilfe! Ich weiß nicht, ob es jemanden interessiert, aber die Entscheidung des Oberarztes scheint wirkich ungültig zu sein, mal ganz von den unabhängigen Ärzten abgesehen, ist er selbst Vertreter oder Mitglied bei der Organisation für Organspende. Abgewendet wurde die Entscheidung allerdings nur deswegen komplett, weil unser Angehöriger jetzt privat behandelt wird, was meiner Meinung nach schon sehr aussagekräftig ist.
 
A

ad.integrum

Guten Abend auch!

Schön, freut mich zu hören, dass sich doch noch alles so schnell zum Guten gewendet hat!
Wünsche dem Patienten und der ganzen Familie alles erdenklich Gute und viel Kraft für die kommenden Stunden, Tage und Wochen!
Alles Gute!
 
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